Leonie Traub, Forschung
Katharina Vitt
Sarah Maier
Leonie Traub | Katharina Vitt | Sarah Maier |

Wenn Personen Konflikte oder Gewalt in Paarbeziehungen erleben, suchen sie sich häufig keine oder erst sehr spät Unterstützung im Gewalthilfesystem oder bei der Polizei [1,2]. Bezugspersonen aus dem privaten Umfeld spielen im Unterstützungsprozess häufig eine wichtige Rolle, und können eine Brücke zu formellen Anlaufstellen sein [3]. Im deutschsprachigen Raum wissen wir wenig über die Rolle von Bezugspersonen und Orten des alltäglichen Umfelds. Diese Umfrage hatte das Ziel zu untersuchen, an wen sich Personen wenden und wo sie ihre Situation besprechen.

Vorgehen und Ergebnisse

Diese Umfrage hatte das Ziel zu untersuchen, an wen sich betroffene Personen wenden, wenn sie Konflikte in Paarbeziehungen erleben, und wo sie diese besprechen. 

Dafür wurde ein Fragebogen entwickelt, der verschiedene Bezugspersonen und Orte aus dem alltäglichen Umfeld als Unterstützungsmöglichkeiten abfragte. In dem Fragebogen konnten auch Gründe für die Wahl von Bezugspersonen und Orten angegeben werden. Die Umfrage fand über eines der größten Elternportale* Deutschlands statt, und wurde von 1.141 Personen ausgefüllt. Vier von fünf Teilnehmenden gaben an, mit Bezugspersonen über irritierende oder eskalierende Situationen in der Partnerschaft zu sprechen. Die häufigsten Bezugspersonen waren dabei Freund*innen und Familienmitglieder. Bei der Wahl der Bezugspersonen spielten Kenntnisstand über Partnerschaftsgewalt und eine parteiliche Haltung eine wichtige Rolle.

Das Zuhause wurde von drei Viertel der Teilnehmenden als geeigneter Ort empfunden, um über irritierende oder eskalierende Situationen in der Partnerschaft zu sprechen. Zusätzlich wurden von mehr als jeder zehnten Person auch Online-Foren, Lieblingslokale, Frauencafés oder gruppen, sowie Spielplätze, Kitas, Schulen oder Krabbelgruppen in Betracht gezogen. Für Orte war die Möglichkeit frei zu sprechen, eine gute Erreichbarkeit und Sicherheit vor Diskriminierung zentral.

Bezugspersonen spielen eine wichtige Rolle dabei, Konflikte in Paarbeziehungen als Gewalt einzuordnen (5). Eine Einordnung der Erlebnisse ist häufig die Voraussetzung für eine Inanspruchnahme formeller Hilfsangebote [4]. Bezugspersonen und Orte des alltäglichen Umfeld bei Unterstützungsangeboten miteinzubeziehen, kann somit eine Möglichkeit sein, Betroffene von Partnerschaftsgewalt frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen. 


[1]: Müller, U., & Schröttle, M. (2004). Lebenssituation, Gesundheit und Sicherheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung von Gewalt gegen Frauen in Deutschland. BMFSFJ, Berlin.

[2]: European Union Agency for Fundamental Rights (FRA) (2014). Gewalt gegen Frauen: eine EU -weite Erhebung. Ergebnisse auf einen Blick. Abgerufen am 10.12.2025.

[3]: Schucan Bird, K., Stokes, N., Rivas, C., Tomlinson, M., Delve, M., Gordon, L., Gregory, A., Lawrence, K., & O’Reilly, N. (2023). Training Informal Supporters to Improve Responses to Victim-Survivors of Domestic Violence and Abuse: A Systematic Review. Trauma, Violence, & Abuse.

[4]: Schmidt-Semisch, H., Stahlke, I., Rubscheit, S., Schnepf, F., & Jochem, G. (2024). Das Bremer Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen – eine qualitative Erhebung der Betroffenenperspektive. Prävention und Gesundheitsförderung, 19(2), 198–205. 

[5]: Johnson, I. D., & Belenko, S. (2021). Female Intimate Partner Violence Survivors’ Experiences With Disclosure to Informal Network Members. Journal of Interpersonal Violence, 36(15–16).


*: Die Umfrage wurde gemeinsam mit Rund ums Baby erstellt und ausgewertet. Das Rund ums Baby Elternmagazin beinhaltet ein Austauschforum für Eltern, ein Expert*innenforum sowie Informationen zu verschiedenen Familienthemen.

**: In der Begleitforschung von Gewaltfrei in die Zukunft e.V. wurde mit dem Betroffenenrat von Signal e.V. zusammengearbeitet. Dazu gehörte ein Fachaustausch zu Sprache über Gewalt in Paarbeziehungen, bei dem eine gewisse Sprachlosigkeit in Zusammenhang mit Disclosure von Gewalterlebnissen diskutiert wurde. „Der Betroffenenrat ist ein politisches Gremium, […] dessen Ziel es ist, Erfahrung und Perspektiven Betroffener sichtbar zu machen und nachhaltige Veränderungen auf gesellschaftlicher, politischer und fachlicher Ebene zu bewirken”. (Auszug aus dem Selbstbild des Betroffenenrates).